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Das "Saufzeitalter" der Renaissance PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 04 Juli 2017 | Autor: Silvia Herrmann

Das "Saufzeitalter" der Renaissance

Lemgo. Passend zur bevorstehenden Bier- und Gourmetmeile lädt das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake am Freitag und Samstag, 7. und 8. Juli, zu sechs ganz besonderen Kurzführungen ein. An beiden Tagen dreht sich jeweils um 17.30, 18.30 und 19.30 Uhr alles um das "Saufzeitalter" der Renaissance. Der Eintritt ist ab 16 Uhr frei, um Spenden wird gebeten.

Schon vor 400 Jahren ließ man es gern so richtig "krachen". Auch auf Schloss Brake feierten die Adligen die Feste wie sie fielen. Festlich und prunkvoll ging es dabei zu. Das Weserrenaissance-Museum zeigt viele funkelnde Ausstellungsstücke, die davon zeugen. Bei einem Rundgang wird diese Zeit wieder lebendig. Die Besucher tauchen ein in die höfische Gesellschaft der Renaissance und erfahren, wie man damals tafelte, tanzte und feierte.

Das 16. Jahrhundert galt in Deutschland als das "Saufzeitalter". Der durchschnittliche Tages-verbrauch pro Kopf lag bei etwa einem Liter Wein. In diesem Sinne nannte Luther 1535 die Trunksucht auch als bezeichnendes deutsches Laster - und dabei soll Luther durchaus kein Kostverächter gewesen sein.

Unterstützt wurde dieser Umstand durch die herrschenden Trinksitten. So erforderte das Zutrinken, an der Tafel auf Zuspruch den eigenen Becher zu erheben und auszutrinken. Aus dem Mittelalter hatte sich in Frankreich und Deutschland die Sitte erhalten, alle Verträge und Handelsabschlüsse zu begießen. Trinken wurde als eine Art Sport angesehen. Es wurden Trinkgesellschaften gegründet, wie die des Straßburger Bischofs Johann. Diese nannte sich "Vom Horn", da die Aufnahmeprüfung darin bestand, das vier Liter fassende Bundeshorn in einem Zug zu leeren.

In Deutschland war es Ehrensache, jeden Trunk zu erwidern und die anderen unter den Tisch zu trinken. Ebenso war es Ehrensache für den Wirt, dass keiner seiner Gäste nüchtern blieb. Die häufigen schriftlichen Entschuldigungen wegen Trunkenheit und üblen Betragens sind gleichzeitig als Kompliment an den Wirt oder Gastgeber zu verstehen. So schrieb Freiherr Kuno von Winnenberg, ein vertrauter Freund Simons VI., auf dem Rückweg von Brake 1587: "Der Trunk habe ihn vorgestern dermaßen übernommen, dass er noch gestern den ganzen Tag - ohne Ruhm zu melden - so krank gewesen, dass er nicht gewusst, was er getan."

Aufgrund des hohen Alkoholkonsums kam es auf den Feierlichkeiten oft zu Handgreiflichkeiten, die Verletzungen oder sogar Todesfälle nach sich zogen. In diesem Sinne bat eine Adelige der Grafschaft Lippe bereits Wochen vor einer Hochzeit die Prediger des Landes, Gott zu bitten "Er wolle auf diesem Freuden- und Ehrentag mit seinen Engeln wohnen und allen Hader, Mord und Unglück verhüten." Dass nicht der geringste Streit entstand, wurde nachher "als groß Wunderwerk mit allgemeiner Danksagung in den Kirchen gepriesen."

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Kurt Tucholsky, dt. Journalist und Schriftsteller, 09.01.1890 - 21.12.1935

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