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EAA-Energie Talk PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 24 November 2016 | Autor: PK

Smarte Energiewelt oder Zwangsdigitalisierung?

Neue Technologien und die Digitalisierung werden den Energiesektor stark verändern. Unternehmen müssen künftig immer mehr Daten aus immer mehr Quellen verarbeiten. Bei der Einführung von technischen Innovationen wie Smart Meter fehlen Erfahrungswerte. Das führt beim Endkunden zu Verunsicherung oder Ablehnung.

Am Mittwochabend stand beim EAA-Energie Talk im Museumsquartier die Frage "Smarte Energiewelt oder Zwangsdigitalisierung?" im Mittelpunkt einer hochkarätigen Diskussion. Dr. Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control, Dr. Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, Ing. Mag. Christian Schober, MBA, Geschäftsführer der Kapsch Smart Energy GmbH und IT-Sicherheitsexperte Prof. Timo Kob, Vorstand der HiSolutions AG diskutierten über die Vorteile, Herausforderungen und Kosten, die durch neue Technologien auf Österreichs Energiekunden zukommen.

"Smart Meter ist ein Waisenknabe"

Dr. Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control sieht große Chancen durch technologische Innovationen wie etwa Smart Meter. Ing. Mag. Christian Schober, MBA, Geschäftsführer der Kapsch Smart Energy GmbH stimmte zu: Für ihn stellt die erhöhte Transparenz für alle Beteiligten den größten Vorteil der Smart Meter Technologie dar. Denn mit den digitalen Möglichkeiten ist die Ablesung einfacher zu kontrollieren und durchzuführen. Der E-Control-Vorstand hob aber auch hervor, dass in jeder neuen Technologie Chancen und gewisse Gefahren stecken. Im Vergleich zum Smartphone sei der Schutz der Kundendaten bei Smart Meter aber höher: "Auf dem Smartphone stellen wir dem Provider Daten freiwillig zur Verfügung. Wir wickeln alle möglichen Geschäfte auf dem Smartphone ab, schreiben private Emails und SMS und verwenden WhatsApp. Das Smartphone ist eine Datenkrake, da ist der Smart Meter ein Waisenknabe dagegen."

Smart Meter Rollout mit mehr Gelassenheit

Österreich muss laut EU-Vorgabe beim Smart Meter Rollout bis Ende 2020 jedenfalls 80 Prozent installiert haben. Die offizielle Gangart ist schneller: Bis 2019 strebt Österreich bereits einen Rollout von 95 Prozent an.
Dr. Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten versteht die österreichische Eile nicht. Deutschland sei zwar keinesfalls ein Technologie-Verweigerer, "dennoch geht die deutsche Energiewirtschaft gerade im Haushaltsbereich, was die Smart Meter Ausrollung betrifft, wesentlich gelassener an dieses Thema heran". Kapsch-Geschäftsführer Schober kann dem Zögern Deutschlands etwas abgewinnen, wenngleich es für ihn mit dem Vorhaben vergleichbar ist, "seinen alten Röhrenfernseher durch einen neuen Flatscreen zu ersetzen. Irgendwann muss man zuschlagen, auch wenn man weiß, dass im kommenden Jahr ein moderneres Gerät auf den Markt kommt". Insgesamt mangle es in Österreich an der Akzeptanz für Smart Meter. Erschwert werde diese laut Urbantschitsch "durch die Verordnung, die anders als beim Aufkommen von Smartphones von oben herab dekretiert wurde. Dieser staatliche Akt hat automatisch zu einem gewissen Widerstand geführt". Ungeachtet dessen werde der Smart Meter Rollout - wenn auch zeitverzögert - in Österreich umgesetzt.

Überzogene Erwartungen von allen Beteiligten

Laut Zeger steht die Energiewirtschaft vor einem großen Umbruch. Gerade jetzt findet die Digitalisierung im großen Stil in der Industrie- und Energiebranche statt. Die Frage nach dem Schutz der Privatsphäre in einem Energienetz, bei dem Konsumenten immer mehr zu Produzent und Konsumenten werden, beschäftigt den Obmann der ARGE Daten: "Speziell bei der Stabilisierung der Netze nimmt die Herausforderung der Smart Grids einen großen Stellenwert ein." In vielen Regionen Europas gibt es Energieüberschüsse, während es an anderen Stellen zu wenig Energie gibt - das alles gelte es in Echtzeit zu koordinieren.

Die Entwicklung der Smart Grids werde nach Schobers Ansicht nur wenig Einfluss auf die Bevölkerung und die einzelnen Haushalte haben, "allerdings werden die einzelnen Netzknoten transparenter gemacht, um die Netze besser und rascher steuern zu können". Er ist sich sicher, dass Österreichs Netzbetreiber durch schnellere Schaltungsmöglichkeiten besser auf etwaige Volatilitäten und Spannungsschwankungen reagieren werden können.

Die Energiedienstleister werden in Zukunft vor der Herausforderung stehen, eine Vielzahl an Kundendaten zu erhalten, diese sinnvoll zu verarbeiten und dabei auch noch den Sicherheitsaspekt zu berücksichtigen. Auf die Frage, welchen Nutzen die Smart Meter Technologie für Kunden und Unternehmen haben werde, sagte Zeger: "Hier gibt es zum Teil überzogene Erwartungen. Und zwar interessanterweise von allen Beteiligten, sowohl bei den Netzbetreibern als auch bei den Konsumenten."

Das Internet der Dinge

Jeder Stromverbraucher bekommt seine eigene IP-Adresse und könnte so in der Folge von New York aus seine Waschmaschine etwa im niederösterreichischen Gumpoldskirchen steuern. Datenschützer Zeger: "Das ist einerseits eine tolle Fantasie, andererseits muss man hier auch nach der Sinnhaftigkeit für den Konsumenten fragen. Diese Vorstellungen sollten in ein realistisches Licht gerückt werden, denn jedes Gerät, das einen Internetanschluss hat, kann das Eingangstor für irgendwelche Manipulationen sein."
Ob Smart Meter eine Basis für neue Dienstleistungen im Haushaltssegment darstellen werden, sei Schobers Meinung nach fraglich. Zur Frage der Datensicherheit meint der Kapsch-Geschäftsführer: "Wenn jemand in der Lage ist, ein Smart Meter System mit einer 128 Bit Verschlüsselung zu hacken, dann wird derjenige wohl eher einen Bankomat Terminal knacken und kaum Smart Meter Verschlüsselungen. Was bringt es, zu wissen, dass jemand vor zwei Wochen seine Kaffeemaschine um 06:15 eingeschaltet hat." Er plädierte dafür, statt wie in Europa üblich, Innovationen eher skeptisch gegenüber zu stehen, "den neuen Technologien Positives abzugewinnen".

"Cyberangriff kann Volkswirtschaften lahmlegen"

Prof. Timo Kob, Vorstand der HiSolutions AG und Sicherheitsforscher an der FH Campus Wien warnte davor, dass "heutzutage mit Angriffen auf die Energieversorgung ganze Volkswirtschaften zu Fall gebracht werden können. Darauf sind wir im Grunde überhaupt nicht vorbereitet."
Bei technologische Innovationen wie Smart Meter müsse man sich die Frage nach dem Nutzen stellen, so der IT-Sicherheitsexperte: "Die Energiewende und eine erhöhte Netzwerkstabilität sprechen dafür." Die Risiken für die Energieversorgung würden aber steigen, wenn es den neuen Tätergruppen nicht mehr nur um Geld geht, sondern um Zerstörung und Terrorangriffe. Bisher sei nichts passiert, "dies liegt aber weniger an dem guten Schutz der Netze als mehr daran, dass bisher keiner diese ernsthaft attackiert hat. Dies sollte aber kein Ruhekissen sein", sagte Kob: "Durch die wachsende Abhängigkeit von der IT-Infrastruktur und eine stetig wachsende Zahl von potenziellen Angriffspunkten eröffnen sich neue Möglichkeiten, in das System einzudringen und Schaden anzurichten." Vorausschauende Betreiber von Infrastruktureinrichtungen, Unternehmer, aber auch die Öffentliche Verwaltung investieren heute nicht nur in die Abwehr von Angriffen, sondern ergreifen Maßnahmen, um im Fall eines erfolgreichen Angriffs möglichst gut mit den Folgen umgehen zu können. "Wir nennen das Resilienz. Denn verhindern lassen sich gut geplante Cyberangriffe nur schwer", sagte Kob abschließend.


Über EAA-ENERGIEALLIANZ Austria:

Die EAA-ENERGIEALLIANZ AUSTRIA ist die gemeinsame Energievertriebs- und handelsgesellschaft von ENERGIE BURGENLAND AG, EVN AG und WIEN ENERGIE GMBH. Das Unternehmen mit seinem Stammsitz in Wien versorgt 3,2 Millionen Kunden in Mitteleuropa mit Strom und Gas und ist mit Vertriebsniederlassungen in Österreich und Deutschland - sowie darüber hinaus im Handel in Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Rumänien, Serbien und Mazedonien vertreten.
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“Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schießen damit.”

Prof. Dr. Gerhard Uhlenbruck, * 17.06.1929

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